In Lindau am Bodensee hat Martina Sedlmair vor fast zwanzig Jahren eine Manufaktur für Trockenobst ins Leben gerufen. Wie sie dazu kam und wie die knusprigen Apfelchips hergestellt werden, verriet sie uns bei einem Besuch.

Zugegeben ich bin zunächst schon überrascht. Ein großes, modernes Bürogebäude in Lindau. Und hier sollen die „VonHier“ Apfelchips und andere Trockenfrüchte hergestellt werden? Schnell ist das Rätsel allerdings gelöst, denn die Brög Trockenfrüchte-Manufaktur hat ihren Sitz auf der Rückseite des Gebäudes. Kaum erreicht man den Eingang, gibt es auch keinen Zweifel mehr, was hier hergestellt wird. Es riecht fruchtig, süß, frisch – einfach nach reifen Äpfeln.

Das Leben auf einem Apfelhof
Gegründet wurde die Trockenfrüchte-Manufaktur vor bald zwanzig Jahren von Martina Sedlmair, die mich in ihrem Büro begrüßt. Auf ihrem Schreibtisch prangt ein großer, silberner Apfel, ein Symbol, das sich überall in ihrem Büro wiederfindet. Der Apfel ist allgegenwärtig. Dabei hatte Martina Sedlmair ursprünglich gar nicht vor, etwas mit Äpfeln zu machen. Erst durch ihre Hochzeit mit einem Obstbauern vom Bodensee kam sie überhaupt mit dem Obstanbau in Berührung. Schnell erlebte sie dabei, welchen Widrigkeiten die Bauern Jahr für Jahr ausgesetzt sein konnten. Auf ein sehr gutes Jahr konnte ohne Vorwarnung ein sehr schlechtes folgen. Ein stetiges Auf und Ab.

Ein zweites Standbein
Um die Schwankungen besser abzufedern, überlegten sie und ihr Mann, was man machen könnte und Martina Sedlmair kam auf die Idee mit den Apfelchips. „Ich habe mir dann einen Dörrautomat für zu Hause gekauft und angefangen, Apfelchips herzustellen. Die habe ich dann auf Bauernmärkten verkauft. Und die Resonanz war großartig.“ Schnell fragten Hofläden nach den Apfelchips und sie musste noch mehr produzieren. „In den ersten Jahren sind wir sehr schnell gewachsen“, erklärt sie. Aus den Hofläden wurde der Einzelhandel und schließlich kam Feneberg. Nun war klar, dass die ganze Produktion vergrößert werden musste. 2011 erfolgte deshalb der Umzug in das jetzige Firmengebäude.

Viel Handarbeit
Als wir die Trockenfrüchte-Manufaktur betreten, wird klar, was „größer“ bedeutet. Vor uns steht eine große Edelstahlmaschine, die mit einem Förderband fortlaufend Äpfel in ein Wasserbad befördert. Das Wasser transportiert die Äpfel in die nächste Maschine, in der sie zunächst gereinigt und dann in dünne Scheiben geschnitten werden. Von nun an geschieht alles in Handarbeit. Geschickt müssen die Scheiben sortiert und anschließend auf große Edelstahlsiebe gelegt werden. Die zwei Arbeiterinnen machen das mit einer solchen Übersicht und Geschicklichkeit, dass einem schwindelig werden kann.

Jeder Apfel ist anders
Zuletzt bringt ein Arbeiter die Trockensiebe zu den großen Trocknern aus Edelstahl, die einen Raum weiter warten. Hier werden die Apfelscheiben getrocknet, bis sie eine Restfeuchte von fünf bis sieben Prozent haben. Wie lange das dauert, kann Martina Sedlmair nicht genau sagen. „Das variiert zwischen den Apfelsorten. Jonagold, Elstar oder Topaz haben unterschiedliche Trocknungszeiten. Zudem verändern sich diese auch jedes Jahr wieder.
Je nachdem, wie das Wetter war.

Es kommt nur 100% Apfel in die Tüte
Zuletzt werden die Apfelchips verpackt und für den Versand fertiggemacht. Dem Beobachter ist dabei nicht entgangen, dass den Äpfeln während der ganzen Herstellung nichts hinzugefügt wurde. Und darauf ist Martina Sedlmair auch stolz. „Der Kunde bekommt 100% reinen Apfel, ohne irgendwelche Zusätze“, erklärt sie. Mittlerweile hat sie ihr Sortiment um weitere Trocken­früchte erweitert. Dazu gehören Zwetschgen, Birnen, ­Heidelbeeren, Erdbeeren, Himbeeren und andere.

Alles aus der Region
Wichtig ist Martina Sedlmair dabei aber, dass es sich um heimisches Obst handelt. „Ich bin überzeugt, dass uns nur wirklich gut tut, was um uns herum wächst“, sagt sie. Diese Haltung findet sich überall im Unternehmen wieder. So stammen die verwendeten Äpfel ausnahmslos vom Bodensee und auch ihre elf Mitarbeiter kommen aus der näheren Umgebung. „Die Wertschöpfung soll hier in der Region Lindau bleiben“, sagt sie – auch wenn ihre Apfelchips mittlerweile in ganz Europa gegessen werden.