In Altstädten bei Sonthofen fertigt die Goldschmiedin und Schmuckdesignerin Andrea Winkler Schmuck, der die Schönheiten des Allgäus widerspiegelt.
Unser Redakteur hat bei ihr einen ganz besonderen Anhänger hergestellt.

Das Sonnenlicht fällt sanft durch die großen Scheiben des Ateliers. Am Werktisch sitzt eine Frau über einen Ring gebeugt. Fast ohne hochzusehen, greift sie nach einer Zange, dann nach einer Feile. Die Hände flink, ein Schliff hier, ein Kniff dort. Andrea Winkler weiß genau, was einem bereits schönen Schmuckstück die besondere Note verleiht. Die gebürtige Aachenerin lebt, mit Unterbrechung, seit 2006 im Allgäu. Ihr Schmuckatelier hat sie 2015 in Altstädten bei Sonthofen eröffnet.

Die Menschen haben hier etwas Besonderes
Wenig später stehen wir zwischen den Schmuckvitrinen und trinken Kaffee. Andrea Winklers Blick fällt in Richtung des Riedberger Horns. Es war zuerst die Liebe zur Allgäuer Landschaft und den Bergen, die sie hierher brachte. Dennoch fremdelte sie zu Beginn mit der Kultur. „Aber dann merkte ich irgendwann, dass die Menschen hier etwas haben, das mir fehlt. Die Trachten, die Musik – das ist alles ein Stück gelebte Heimat.“ Mehr und mehr floss diese Heimat deshalb auch in ihre Arbeit ein.

Schon unsere Vorfahren machten daraus Schmuck
Sie streifte durch die Berge und entlang der Flussläufe, sammelte Kieselsteine und andere Dinge der Natur und begann, diese in ihre Kreationen einzuarbeiten. Unterstützt wurde Sie dabei von ihrem Lebensgefährten Ralph Müller, einem Wildnis-Lehrer und Jäger.
Er war es auch, dem die gewundenen Linien auf den Stirnknochen von Rehen und Hirschen auffielen. Wie ein kleiner Fluss mäandern die Linien über die Stirnplatte der Tiere. Keine ist wie die andere. Diese Besonderheit entdeckten bereits unsere Vorfahren und stellten daraus Schmuckstücke her. Und so ein Schmuckstück soll ich nun selber machen.

Zunächst wird die Form bestimmt
Zunächst bestimmen wir die Form des Anhängers mithilfe einer Schablone. Dann muss die Form herausgesägt werden. Das ist leichter gesagt, als getan, denn das Sägeblatt der Stichsäge ist so dünn, dass es ständig reißt. So dauert es eine ganze Weile, bis die Form des Anhängers vor uns liegt. Nun heißt es feilen. Mit der Feile wird das Stirnstück rundherum bearbeitet – bis ein ebenmäßiges Oval herauskommt.

Dann beginnt das Silber zu glühen
Dann wird es heiß. In einer Ecke ihrer Werkstatt steht eine Gasflasche samt Brenner und feuerfester Unterlage. Hier schmilzt Andrea Winkler Gold- und Silberreste ein oder verlötet Schmuckstücke. Ähnlich wie beim Bleigießen an Sylvester legt sie kleine Silberstücke in einen Tiegel und richtet die Flamme des Brenners darauf. Nach kurzer Zeit beginnt das Silber zu glühen. Zuerst rot, dann orange und gelb, bis es schließlich flüssig wird und von Andrea Winkler in eine Form gegossen wird. Herauskommt ein rechteckiger Silberblock. Diesen gilt es nun so flach zu walzen, dass er bearbeitet werden kann. Sie reicht mir den Block. Das Walzen ist nun meine Aufgabe. Wieder und wieder führe ich den Block durch die Walze, bis daraus eine Silberplatte geworden ist die ich bearbeiten kann.

Die Fassung muss gebogen werden
Zurück an der Werkbank zersäge ich die Silberplatte in zwei Streifen. Aus dem einen Streifen wird später die Fassung, aus dem anderen die Öse für meinen Anhänger. Das Anpassen der Fassung für den Anhänger erfordert anschließend viel Fingerfertigkeit und Geduld. Immer wieder muss ich die dünne Platte neu biegen, bis sie sich endlich an das Knochenstück anschmiegt. Nun folgt, der vielleicht faszinierendste Schritt: Das Löten.

Alles scheint wie aus einem Guss
Dazu werden die beiden Enden der Fassung mit einer fluoreszierenden Flüssigkeit, dem Fluoron, eingepinselt. Dann wird die Stelle mit dem Brenner erhitzt und zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt wird ein winziges Stückchen Lot auf die Enden gelegt. In einer Zehntelsekunde fließt das Lot zwischen die Enden und verbindet diese. Nachdem die Fassung ausgekühlt ist kann man die Lötstelle abschleifen und polieren. Das Faszinierende: Es lässt sich anschließend nicht mehr erkennen, an welcher Stelle gelötet wurde. Alles scheint, wie aus einem Guss. Diesen Vorgang wiederholen wir für die Rückplatte des Anhängers und die Öse. Nach gut vier Stunden Sägen, Feilen, Biegen und Löten halte ich den Anhänger in Händen. Ein Unikat und dazu noch von mir selbst gefertigt. Der Anhänger fühlt sich weich und glatt an und das Silber glänzt in den Strahlen der Nachmittagsonne, die von draußen in den Laden fallen. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass unsere Vorfahren von diesem ganz besonderen Knochenstück fasziniert gewesen sind.

 

Übrigens: Andrea Winkler bietet auch Trauringkurse an, bei denen Paare ihre eigenen Trauringe gestalten können.

 

Kontaktdaten:
Schmuck Atelier Andrea Winkler
Sonthofer Str. 4
87572 Sonthofen
Telefon: 0171 231 17 97
E-Mail: info@schmuck-winkler.de