Von Indien wissen wir, dass dort die Kühe heilig sind. Aber eigentlich sollte es bei uns im Allgäu auch so sein.

Denn das Allgäu verdankt den Kühen sehr viel. Flüchteten noch Mitte des 19. Jahrhunderts hungernde Allgäuer nach Amerika, so drehte sich das Drama zum blühenden Erfolgsmodell (bis heute) mit der Einführung der Milchwirtschaft durch den „Notwender Karl Hirnbein“. Die Kuh erbringt das Wunder, indem sie das für uns Menschen ungenießbare Gras in schmackhafte Milch und in nahrhaftes Fleisch verwandelt. Zusätzlich veredelt der „Kuh-Dung“, also Mist und „Bschütte“, die kargen voralpinen Böden in die satte, blühende Landschaft, die so typisch für das Allgäu ist.
Doch die Idylle hat längst Risse. Beispielsweise ist das Insektensterben auch im Allgäu deutlich zu beobachten. Aus einst blühenden Mähweiden droht die fortschreitende, agrarische Intensivierung monotone Graslandschaften zu machen. Doch ich bin weit davon entfernt, den Bauern dafür einfach den schwarzen Peter zuzuschieben. Die Ursache liegt darin, dass der gnadenlose betriebswirtschaftliche Zwang zur effektiven und immer billigeren Lebensmittelproduktion ganz allgemein zur „heiligen Kuh“ geworden ist.
Wenn wir als Gesellschaft wirklich den Schutz von Natur und unseren lebenswichtigen, natürlichen Ressourcen wollen, dann müssen wir diese Ursache anpacken. Wir müssen den Bauer mitsamt seinen Kühen von dem „immer-billiger-produzieren-Wahnsinn“ befreien. Von-Hier-Markenprodukte machen vor, wie dies gelingt. Die faire Partnerschaft, vom Erzeuger bis hin zum Verbraucher, ist nämlich dort „heilige Kuh“. Und als sichtbares Zeichen für diesen Wandel erfreuen sie sich wieder am Anblick vieler gemütlich grasender Kuhherden rings herum um unsere schönen Allgäuer Dörfer.

von hier-Kolumnist Alois Wohlfahrt
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