Auf dem Schweinehof von Familie Gaupp in Unlingen bei Biberach, fühlen sich die Schweine sauwohl. Viel Auslauf, gemütliches Stroh und mit Roland und Carmen Gaupp zwei Landwirte, die mit Leib und Seele Schweinezüchter sind.

Es grunzt von allen Seiten. Feuchte Schweinenasen recken sich mir entgegen, beschnuppern meine Hände, drängen sich dicht um mich herum. Hinter der Gruppe Schweine, steht Roland Gaupp in blauem Overall und Gummistiefeln. Er lächelt und streicht einer der Sauen über die Flanke. Es riecht nach frischem Stroh und ein wenig nach Matsch. Klar, es sind Schweine und die suhlen sich nun einmal gerne. Aber im Moment lassen sie mich in ihrem Stall herumlaufen und beäugen mich weiterhin interessiert.
Nur die kleinen Ferkel trauen mir nicht und verstecken sich lieber in ihren Schlafkisten, wo sie im warmen Licht der Infrarotlampen aneinander gekuschelt schlafen.

Fröhlich grunzende Schweine
Ich kann nicht anders, aber der Anblick der Schweine im Stall der Gaupps erfüllt mich mit großer Zufriedenheit. Was ich hier auf dem Hof der Gaupps sehe, bringt Bilder von fröhlich grunzenden Schweinen zurück, die sich nach Laune im Dreck suhlen und einfach ein saumässig gutes Leben führen. Schon Roland Gaupps Eltern waren Landwirte. Milchvieh und Schweine hatten sie auf ihrem Hof im Ortskern von Unlingen. Als Roland und Carmen Gaupp den Hof übernahmen, war schnell klar, dass sich etwas ändern musste.

Ein neuer Hof am Ortsrand
Zum einen war der Betrieb zum Überleben zu klein, zum anderen konnte er Aufgrund der Lage nicht wachsen. ­Zudem fremdelte Carmen Gaupp mit den Kühen: „Die waren mir schon immer zu groß“, sagt die gelernte Erzieherin. Beide fühlten sich mehr zu den Sauen hingezogen. Also wurde der alte Hof verkauft und ein Schweinemaststall am Ortsrand gebaut. Gleich daneben bauten die Gaupps sich selbst ein Haus und zogen mit den beiden Söhnen Niklas und Jannik dorthin.

Sie wollten nicht immer weiterwachsen
Obwohl Roland Gaupp zu diesem Zeitpunkt noch konventionelle Schweinezucht betrieb, lag ihm das Wohl der Tiere besonders am Herzen. 2014 begann er dann, sich intensiv mit biologischer Landwirtschaft zu befassen. „Es war einfach klar, dass wir immer weiterwachsen müssten, wenn wir konventionell weitermachen würden“, erklärt Roland Gaupp. Und das wollte er nicht. Ihm ist es wichtig, seine Tiere täglich zu sehen, den Überblick zu haben und auch ein gesundes Maß zwischen Arbeit und Privatleben zu finden. Das geht nur bis zu einer bestimmten Größe des Betriebs.

Sie haben den Schritt nie bereut
Roland Gaupp traf sich regelmäßig zu einem Stammtisch, an dem auch Biobauern teilnahmen. Gemeinsam machte man Ackerbegehungen und das bestärkte Roland Gaupp, auf Bio umzusteigen. „Ich habe da gesehen, wie gesund die Böden waren, wie die Natur selbst dafür gesorgt hat, dass alles im ­Gleichgewicht blieb.“ Schließlich stellten die Gaupps um, schlossen sich dem Naturland-Verband an und bauten die Ställe um. Auch wenn die Umstellung mit sehr viel Arbeit verbunden war, haben sie den Schritt nie bereut. Heute geht den beiden regelmäßig das Herz auf, wenn sie ihre Tiere sehen.

38 Grad für die Ferkel, 18 Grad für die Muttersauen
Insgesamt 500 Mastschweine und 62 Mutterschweine leben heute auf dem Betrieb. Eber Luis sorgt dafür, dass die Sauen gedeckt werden. Alle Tiere leben in Gruppen und können selbst entscheiden, ob sie draußen an der frischen Luft oder drinnen im warmen Stall sein möchten. Die Sauen bekommen ihre Ferkel in sogenannten Abferkelbuchten, in denen sich Mutter und Ferkel frei bewegen können. Dazu sorgt eine Fußbodenheizung für das optimale Wohlfühlklima: 38 Grad für die Ferkel, 18 Grad für die Sauen. Für die Heizung wurde auf dem Hof extra eine Güllegärungsanlage gebaut, die sowohl Strom als auch Wärme erzeugt.

Alles aus einer Hand
Überhaupt ist es ein Anliegen von Roland Gaupp, möglichst alles aus einer Hand zu bekommen. Schon heute liefern die eigenen Äcker 70 Prozent des Futters für die Schweine. Den Rest bezieht er von benachbarten Biolandwirten. Mittlerweile nähern sich uns neugierige Ferkel. 44 Tage waren sie bei ihrer Mutter, nun leben sie im Ferkel­-Aufzuchstall.
„Seit wir auf Bio umgestellt haben, sind die Tiere viel zutraulicher“, erläutert Roland Gaupp. „Sie kennen uns und es ist normal für sie, dass wir hier zwischen ihnen herumlaufen.“

Die Söhne helfen mit
Und wie sieht es mit der Zukunft des Hofes aus? Roland Gaupp lacht. „Also früher, als wir noch konventionelle Landwirtschaft betrieben haben, hatten unsere Söhne kein Interesse, das zu übernehmen. Jetzt sieht es aber schon anders aus.“ Auf jeden Fall helfen Niklas und Jannik gerne mit. Noch ein letztes Mal halte ich meine Hand über den Zaun und streichele einer Sau über die struppigen Borsten. Ruhig steht sie da und schaut mich an und man sieht: Ihr geht es saumässig gut.